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Gedichte und Sagen
Gedicht geschrieben von Michael Barth aus Wallendorf HNr. 61 - genannt Euperth Bubi, zum Wallendorfer Treffen 1987 in Nürnberg.
Michael Barth wurde am 20.01.1920 in Wallendorf geboren und am 16.02.2006 in Gmunden/OÖ zu Grabe getragen.
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In Wallendorf war's einstmals schön

 1. Von Wallendorf will ich berichten,
 vom Dorf, den Menschen, seinen Geschichten,
 von Zeiten, als vor vielen Jahren
 wir lebende Gemeinschaft waren.
 In der Gemeinschaft lebten Sachsen,
 Rumänen, Juden, mitgewachsen,
 Zigeuner, Ungarn, sehr viel Zipser,
 das Dorfbild prägend - die Gesichter.
 Man kannte sich von Mensch zu Mensch.
 Aus "Eiwerschtgoss ond Niederschtgoss",
 aus "Händergoss ond Mättlgoss"
 vom "Eiwärschten bäs Niederscht And"
 war jedermann und Mensch bekannt.
 Die Mundart sächsisch, deutsch die Sprache,
 und es war 'ne feine Sache.
 In grossen und in kleinen Dingen
 liess unser Herrgott wohl gelingen
 das Leben in Gemeinsamkeit,
 mit Frieden und Geborgenheit.






 3. Dann sehe ich bekannte Menschen,
 wie eilends sie zur Arbeit gehn.
 vom frühen Morgen an, bis spät,
 der Acker hergericht - besät,
 das Wiesenheu frisch abgemäht,
 das Unkraut sauber abgejät',
 im Kukurruz, Kartoffelacker
 ich Menschen sehe, die sehr wacker
 die Arbeit tuen, die sehr not,
 schafft jeder sich sein täglich Brot.
 Ich sehe sie zum Weinberg schreiten,
 mit Freude dort die Arbeit tun,
 ich sehe sie viel vorbereiten,
 bis mittags ihre Hände ruhn,
 wie sie das Feuer dann anzünden,
 an dem der Speck gebraten wird,
 den Holzspiess in die Flamme haltend
 ein köstlich Mahl bereitet wird.
 Dann ruhn sie aus von harter Arbeit
 ein Stündlein nur - ach tut das gut !
 Und wieder geht es an die Arbeit,
 mit frischem, frohem, neuem Mut.










 5. Die jungen Burschen, stolz sie trugen
 die Sonntagstracht zum Kirchengang,
 aus Häusern strömten sie , aus Stuben,
 sobald ertönt der Glocken Klang.
 Gemeinsam dann im Gotteshause
 seh' ich sie unsern Herrgott ehren,
 mit Beten, Singen, froh in Chören -
 mit Dank im Herzen für die Lehren -
 und mit der neu erhaltenen Kraft
 ein jeder wieder weiter schafft
 für sich zum Wohle, dem Herrgott zu Ehren -
 so war es dereinst - konnt niemand verwehren.

 Wenn ich im Dorf dann um mich schau,
 so seh' ich Haus an Haus - genau
 als wenn ein Nachbar reicht die Hand,
 dem Nachbarn rechts und links die Hand.
 Gemeinsamkeit sie demonstrieren,
 bezeugen Kraft - nie zu verlieren
 war diese Bindung, allemal
 solang die Dorfgemeinschaft war.
 Ein Haus gar schöner als das andere,
 geziert von Bäumen vor der Tür,
 gar schön war damals das Vorhandene -
 im Geist bewegt's das Herze mir.


 7. Ein Prunkstück war der Kachelofen,
 beinah' in jedem Haus er war,
 geschmückt die Kachelform mit Rosen,
 Behaglichkeit verbreitet gar
 wenn Winterzeit die Scheiter brannten,
 Familienglieder und Verwandten
 dann rundherum beisammen sassen,
 die Sorgen und auch Leid vergassen.
 Dort auf dem Tisch ein Krug mit Wein,
 hier konnte man geborgen sein.

 Gar vieles könnt' ich noch erzählen
 wie's einstmals noch in Wallendorf war,
 und weil ich mir es aus kann wählen
 zurückzuschauen, Jahr um Jahr,
 dann will ich halten fest im Herzen;
 was mich bewegt, verursacht Schmerzen.
 Denn später wird man nur noch lesen,
 dass es in Wallendorf einst schön gewesen !

2. Geborgen in der Dorfgemeinschaft,
so war's bestimmt von Anfang an,
wuchs man heran zu der Bereitschaft
dem Dorf zu dienen - jedermann.
So lernten wir Jungen es von den Alten
die Freiheit und Sprache zu erhalten,
Althergebrachtes zu verwalten
und deutsch das Leben zu gestalten.
Der Väter Ruhm und Ehren
bewahren und vermehren,
und wurden dann nach deutscher Sitte
hineingestellt in Volkes Mitte.

Was mich betrifft, so muss ich sagen,
mir Wallendorf am Herzen liegt,
und deshalb muss ich oft mich fragen,
warum es noch nach Haus' mich zieht.
Es sind nicht nur die Jugendzeiten,
die Sehnsuchtswünsche mir bereiten,
vielmehr - es doch die Heimat war,
dies' Bild auch heut noch leuchtet klar
vor meinen Augen, meinem Geist,
sooft im Geist ich heimwärts reist'.


4. Des Sonntags dann zur Kirche gehen
sie alle - alle kann ich sehen,
die kreuzfidele Kinderschar,
die alten Bauern, würdig, gar
mit schönem Pelz und breitem Hut;
den Herren ehren ein jeder tut.
Und junge Männer von überall
zur Kirche hingehen in grosser Zahl,
die Bäuerinnen in Sonntagstracht,
wenn man sie sah - das Herze lacht!
Doch unsere Mädchen erst, die Schönen,
ihr Anblick konnte gleich versöhnen
mit allen Wiederwärtigkeiten -
lässt nur vom schönen Bild dich leiten,
das deinen Sinnen bot sich dar,
und dieses sonntags, Jahr für Jahr.
Den Borten tragend auf den Köpfen,
das Haupt umkränzt mit schönen Zöpfen
und Bänder dran, in schöner Pracht,
wenn man sie sah, das Herze lacht.
Das Leibchen war aus Samt und Seide
verziert mit Rosen - grosser Lust
umschliesst die schönen Körperformen,
den Hals, die Schultern und die Brust.
Und erst der wunderbare "Rocken",
besäumt mit Bändern schmal und breit,
auf Engeltuch genäht mit Flocken,
es glitzerte von nah und weit.
Fürwahr, es war die schönste Pracht,
die einem hier entgegenlacht


6. Wie war das in den Stuben schön,
vom Himmelbette abgesehn,
es viele schöne Sachen gab
von denen ich erzählen mag.
Von Krügen, Tellern an den Wänden,
der Bäuerin Stolz - sie zu verwenden,
bei Hochzeit oder Taufe,
je nach Bedarf im Jahreslaufe.
Von schönen Sprüchen an den Wänden,
genäht von fleiss'ger Frauenhand,
geschmückt war auch die kleinste Hube
an schön bemalter Stubenwand.
Von schön bemalten Bauernschränken,
von Tischen, Stühlen und auch Bänken,
vom guten Sofa in der Ecke,
das dort nur zum besonderen Zwecke
an Feiertagen man benutzt,
damit man ihn nur nicht beschmutzt,
den teueren Lederüberzug, den damals so ein Sofa trug.





























Gedicht geschrieben am 17.9.1988 von Michael Barth aus Wallendorf HNr. 61 - genannt Euperth Bubi, in Oberweis/OÖ, Neue Heimat 12, zum 44. Jahrestag der Vertreibung aus Wallendorf. Zum Seitenanfang
Unser, uns verlorenes Wallendorf


 1. Gar viele Jahre sind es her,
 dass Wallendorf wir öd und leer
 zurückgelassen haben.
 Doch heut, auch noch nach langer Zeit
 sein Bild in unserem Herzen bleibt
 an dem wir uns noch laben.
 Dies Bild in unserem Herzen ist,
 und niemand - und zu keiner Frist
 wird es aus unserem Herzen lösen,
 in Gutem oder Bösen.


 3. Wie war das Dorf von Leben voll,
 wo sächsisch Lied und Wort erscholl,
 voll Kinderlachen und Fleiss der Alten,
 durch ihn wurd Volk und Dorf erhalten,
 dem Volk, dem viele hundert Jahr
 das Dorf und Land die Heimat war.








 5. Gemeinschaft war's, die Volksgemeinschaft
 aus der dies blühend Dorf entstand.
 In seinen Hunderten von Jahren
 nur sächsisch, deutsch man dort verstand.
 Die Türkenkriege es erlebte,
 es überdauert den Tatarensturm,
 auch Fürst Batory darüberfegte
 mit seinem grossen Heereswurm.
 Nichts konnt die Ahnen je vertreiben
 von ihrem angestammten Land,
 sie blieben treu und stets verbunden
 dem König dort im Ungarland.
 Auch später dann - in Österreichs Zeiten
 dem Kaiser sie die Treue schworn,
 und manchmal auf verlornem Posten
 nie Mut und Zuversicht verlorn.


 7. Doch dann mit Siebenmeilenstiefeln
 der zweite Weltkrieg rückte an,
 und unter tausenden von Ängsten
 das End vom Dorfe nun begann.
 Verlassen mussten wir es Alle,
 ob Kinder, Eltern, Gross, ob Klein,
 die Wehmut, bitter wie die Galle,
 die liessen wir im Dorf daheim.
 Heut ist das Dorf von Sachsen leer,
 belebt nur von Rumänen mehr,
 die dort in schönen Häusern wohnen.
 Der Herrgott mög es ihnen lohnen.
 Doch unser Herz blieb dort zurück,
 das Kinderlachen - Kinderglück,
 von uns, die wir noch sächsisch sprachen
 und spielten in des Dorfes Strassen.
 Vergangene verlorne Zeit -
 verrauscht im Strom der Ewigkeit.


 9. All jenen die nicht dort geboren
 wir weitergeben soll'n die Lieb
 zum Dorf und seiner Volksgemeinschaft,
 im Geist sie wieder auferblüht.
 Dann wird von neuem die Gemeinschaft
 lebendig in uns Allen sein,
 wenn wir dem Dorf die Treue halten,
 wird die Gemeinschaft neu gedeihn.
 Drum Wallendorf, du schönes Dorf
 an dich wir denken oft und oft,
 jedoch uns ewig bleibst verloren,
 uns Allen, die in dir geboren.

2. Wir, die in ihm sind geboren
für uns auf ewig ist verloren
das Dorf, das Kraft und Stärke gab;
versenken müssen wir's ins Grab.
Kein deutsches Wort man dort mehr hört,
nur noch rumänisch man dort lehrt.
Vergangen ist der Sachsen Zeit.
Geblieben ist das Herzeleid,
dass dieses Dorf uns nun verloren,
uns allen, die in ihm geboren.


4. Dies Land, man nennt es Siebenbürgen,
hier lebten Deutsche hoch in Würden
von Königen ins Land gebracht,
damit das Land man urbar macht.
Der Pflug vom Schwert begleitet war,
zu wehren sich der Feinde Schar
die mordend, brennend zogen her,
verwüsteten das Land oft schwer.
Viel Not und Drangsal litten sie.
Und dieses Leid bestärkte sie,
dass nur gemeinsam man konnt leben
in der Zeit der Not und Drangsal eben.


6. Der erste Weltkrieg machte ihnen schwer zu schaffen
die Männer mussten zu den Waffen,
und nachher gab es sehr viel Not,
gar wenig gabs zum täglich Brot.
Und obendrein - geliebt von Wenigen
kam Siebenbürgen zu Rumänien.
Jedoch die allerschwerste Zeit,
die stand dem Lande noch bereit,
dass zweigeteilt es werden sollte,
obgleich im Land das keiner wollte.








8. Und heut ist das Vergangenheit,
doch sollen wir stets sein bereit
der Dorfgemeinschaft unserer Ahnen,
stets Treue üben sie uns mahnen.
In Lieb und Treu zusammenhalten
soll'n unser Leben hier gestalten,
dann sind wir in der alten Heimat
im Geist zu Hause in dem Ort,
der dort im schönen Nösnerlande
für alle war der sichre Hort.
























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Sage

 Das Geistertrotzen auf dem Friedhof in Wallendorf

 An einem frostklaren Winterabend sitzen die Mädchen und Burschen des Dorfes in der Spinnstube beisammen. Es wird von einem jungen  Burschen gesprochen, der an dem Tag begraben wurde. Die Mädchen necken die Burschen, es habe keiner von ihnen den Mut, auf den Friedhof zu gehen und eine Heugabel in das Grab zu stecken. Drei waghalsige Burschen wetten, dass sie den Mut aufbringen würden. Einer von ihnen geht auch gleich mit der Heugabel auf den Friedhof.
 Am Grabe angekommen, hört er die Glocke vom nahen Kirchturm Mitternacht schlagen. Die Geisterstunde ist da. Ein Schauer überläuft ihn. Der Vollmond malt Schatten auf den Schnee. Der Bursche steckt in seiner Angst die Gabel rasch in das Grab und will weglaufen. Er kann aber nicht, der Tote hält ihn fest Vor Schreck fällt er tot um. Er hatte die Heugabel durch seinen Sir (Mantel) in das Grab gesteckt.

 Quelle: Siebenbürgische Sagen, herausgegeben von Friedrich Müller 1857, 1885;
 Neue erweiterte Ausgabe von MIsch Orend, Göttingen, 1972, Nr. LXXXVII, S. 81

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