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Ansprache von Pfarrer Preda

am 20. August 1994

anlässlich eines Gottesdienstes in der ehem. evangelischen Kirche in Wallendorf/Nösnerland, im Rahmen des Heimatbesuches einer Reisegruppe, bestehend aus ausgesiedelten Wallendorfern.

Übersetzung aus dem Rumänischen


                        Sehr geehrte Gäste !

Pfarrer Preda Wir erleben heute die grosse Freude der Begegnung mit Ihnen. Persönlich kenne ich Sie nicht, habe aber Ihren Charakter und Fleiss, Ihre Menschlichkeit und Ihre Ordnung an Allem entdeckt, was Sie in Wallendorf getan und hinterlassen haben.
Wenn man ein Beispiel geben sollte für Ordnung und Disziplin, dann haben wir Sie als Vorbild.
Wenn wir eines Tages vor Gott stehen werden, wird er uns nicht nur nach unseren Taten beurteilen, sondern auch nach dem, was wir hinterlassen haben.
Sie sind nun schon fünf Jahrzehnte fort, haben uns aber eine gut strukturierte Ortschaft hinterlassen, mit schönen Häusern, einer Schule und einer Kirche.

Die alte Ortschaft Aldorf befand sich einst auf der linken Seite des Bistritz-Flusses, aus unbekannten Gründen aber, wurde das Dorf dann an der Stelle aufgebaut, wo es sich jetzt befindet und wo es seit ungefähr dem XIII Jahrhundert steht.
Bis 1948 hiess der Ort "Aldorf", danach wurde er in "Unirea" umbenannt, weil neue Zuwanderer aus verschiedenen Dörfern, besonders aus dem Someschtal, hinzukamen.

1945 entsteht in Unirea zusammen mit Slãtinita (deutsch: Pintak) eine orthodoxe Pfarrgemeinde. Dieses Gotteshaus (ehemalige evang. Kirche; Anmerkung des Webmasters) wurde 1987 für unsere Gottesdienste geweiht und mit viel Mühe von unseren Gläubigen in Stand gesetzt, so wie wir es jetzt sehen. In unserem Bemühen, das Gotteshaus für unsere Herzen möglichst angenehm zu gestalten, wurden wir auch von einigen sächsischen Familien unterstützt, die im Laufe der Jahre ihren Heimatort besucht haben. Unsere heutige Kirche ist Ihre gestrige, somit unsere geistige Mutter. Hier haben Sie sich Sonntag für Sonntag verneigt, sind Sie zu Gott betend hingekniet. Die Kirche ist die Mutter, die in diesem Augenblick all ihre Kinder an ihrer schützenden Brust versammelt hat. Wir sind dankbar, dass wir Ihr Gotteshaus benützen dürfen, und halten es in Ehren. So haben wir auch den Altar nicht angetastet, lediglich davor nach unserer Sitte eine Ikonostase errichtet. Die Kirche ist für uns das tägliche Brot.

Der heutige Tag hat uns eine Begegnung mit Ihnen gebracht, aber wir können sagen, dass dies für Sie eine Begegnung mit Sich selbst und vergangenen Jahren ist, eine Begegnung mit der Kindheit, mit der Jugendzeit, der Schulzeit, mit vielen Erinnerungen, mit den Wäldern und den Bergen, mit den Freunden, Eltern und Verwandten die auf dem Friedhof ruhen, mit dem Boden den Sie bearbeitet haben, mit Allem was Sie geliebt haben, gleichsam mit einem Teil Ihrer selbst.
Sie sind zwar nicht mehr hier, doch sind Sie gegenwärtig in dem, was Ihre Väter und Sie in dieser Gemeinde geschafften haben. Sie sind zwar fortgezogen, aber ein Teil von Ihnen ist hiergeblieben bei uns. So ist es nur natürlich, dass ab und zu ein etwas nostalgischer Rückblick erfolgt.

Ihnen Allen wünsche ich Gesundheit und Freude ! Aus ganzem Herzen sage ich Ihnen:
"Willkommen in Unirea !"

Unirea, am 20. August 1994

Der orthodoxe Ortspfarrer Preda


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